Konferenz "Zeit-Zonen"
Entschleunigung
Die meisten Teilnehmer stellten angesichts der globalen
Beschleunigung ökonomischer und kultureller Prozesse den Bedarf nach
bewusster Langsamkeit und Kontinuität heraus: „Der lange Atem stellt auch
einen Wert an sich dar“ (Martin Bröckelmann-Simon, Misereor).
- Nur durch langfristiges Engagement könne eine Grundlage für
Vertrauen und damit die notwendige Verlässlichkeit garantiert werden. So
kann in Krisenzeiten frühzeitig und schnell reagiert werden. Nur eine
kontinuierliche Präsenz kann eine ausreichende lokale Verankerung der EZ
und so den optimalen Ressourceneinsatz sicherstellen.
- Entwicklung braucht Zeit, um die Menschen „mitzunehmen“,
wenn sie mehr nur als technologisches Überstülpung, als „Übertragung von
Hardware“ (Pater Wolfgang Schonecke, Netzwerk Afrika Deutschland e.V.),
sein soll. Wenn Veränderungen soziale, kulturelle und religiöse Bereiche
betreffen, kann Entwicklung nur nachhaltig sein, wenn sie in die
Mentalitäten aufgenommen wird: „Es braucht zwei Generationen, um wirkliche
Veränderungen hervorzubringen“ (Edmund Grosch, Deutsche Lepra- und
Tuberkulosehilfe e.V.).
- Prof. Wolfgang Eichwede (Universität Bremen) forderte zur
Bescheidenheit auf, Deutschland und die anderen Industrienationen hätten
mehrere Jahrhunderte zu einer gesteuerten Entwicklung benötigt – und das
ohne Rücksichtnahme auf soziale und ökologische Auswirkungen.
Zwei kritische Positionen wurden artikuliert:
- Gegen eine Entschleunigung sprachen in den Augen vieler
Teilnehmer die prekäre sozialen und ökologischen Missstände in vielen
Regionen, deren Besserung keinen Aufschub duldet.
- Die Geschwindigkeit von Entwicklungsprozessen entzieht sich
dem Einfluss der EZ, die nur punktuell tätig werden kann und nicht über
ausreichende Ressourcen verfügt. Sie kann Entwicklung nur situativ
modifizieren, muss sich aber ansonsten den bestehenden globalen
Zeitstrukturen unterordnen.
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